Veröffentlicht am März 15, 2024

Zusammenfassend:

  • Möbelanordnung ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Wissenschaft, die menschliches Verhalten und Interaktion gezielt steuert.
  • Statt Möbel an Wände zu rücken, schaffen Sie Funktionsinseln, die den Raum optisch vergrößern und die Nutzung definieren.
  • Jede Zone braucht einen „Verhaltens-Anker“ – ein zentrales Element, das die Hauptaktivität des Bereichs vorgibt.
  • Exakte Abstandsregeln, basierend auf der menschlichen Psychologie (Proxemik), entscheiden über gelungene Gespräche und bequeme Bewegungsabläufe.

Fühlt sich Ihr Wohnzimmer manchmal an wie ein Wartebereich, in dem Gespräche versanden? Wirkt Ihr Essbereich unpraktisch, obwohl doch alles „seinen Platz“ hat? Viele Menschen spüren instinktiv, dass etwas mit ihrer Einrichtung nicht stimmt, und versuchen, das Problem durch neue Dekoration oder das Umstellen einzelner Stücke zu lösen. Meistens folgen sie dabei dem gängigen Ratschlag, Möbel platzsparend an die Wände zu schieben, um eine große, freie Fläche in der Mitte zu schaffen.

Doch was, wenn genau dieser Ansatz das Problem ist? Was, wenn die wahre Ursache nicht im Stil, sondern in der unsichtbaren Geometrie des Raumes liegt? Die Anordnung von Möbeln ist weit mehr als eine ästhetische Entscheidung. Sie ist eine Form der nonverbalen Kommunikation – eine angewandte Wissenschaft der Verhaltenssteuerung. Wir arrangieren nicht einfach nur Objekte; wir gestalten unbewusst die Pfade, auf denen sich Menschen bewegen, die Distanz, die sie zueinander halten, und die Wahrscheinlichkeit, dass sie miteinander interagieren.

Dieser Artikel bricht mit dem Mythos des reinen Bauchgefühls bei der Einrichtung. Stattdessen liefert er Ihnen ein logisches, psychologisch fundiertes Framework. Sie werden die Prinzipien der Proxemik (der Lehre von der räumlichen Distanz) und der Raumzonierung verstehen. Anstatt Möbel zu verschieben, werden Sie lernen, gezielt Verhaltens-Anker zu setzen und Bewegungslinien zu lenken. So verwandeln Sie jeden Raum von einer Ansammlung von Möbeln in eine intelligent gestaltete Umgebung, die Funktion, Interaktion und Wohlbefinden aktiv fördert.

Dieser Leitfaden führt Sie Schritt für Schritt durch die wissenschaftlichen Grundlagen und praktischen Anwendungen, um das volle Potenzial Ihrer Räume freizulegen. Entdecken Sie, wie Sie mit logischen Prinzipien eine Umgebung schaffen, die nicht nur gut aussieht, sondern sich auch richtig anfühlt.

Die Abstands-Regeln: Das Handbuch der richtigen Maße für eine perfekte Möbelanordnung

Der unsichtbare Faktor, der über Komfort oder Unbehagen entscheidet, ist der Abstand. Aus der Sicht der Sozialpsychologie betreten wir hier das Feld der Proxemik, der Lehre von der räumlichen Distanz zwischen Menschen. Ob ein Gespräch als angenehm oder aufdringlich empfunden wird, hängt direkt von diesen unsichtbaren Zonen ab. Eine Möbelanordnung, die diese Zonen missachtet, sabotiert soziale Interaktion, bevor sie überhaupt beginnt. Sitzen sich Menschen zu weit gegenüber (mehr als ca. 3,6 Meter), stirbt die Konversation. Sitzen sie zu eng, entsteht Unbehagen.

Doch es geht nicht nur um Gespräche. Jeder Weg durch den Raum, jeder Handgriff an einem Schrank ist eine geplante Bewegung, die Platz benötigt. Sind die Bewegungslinien blockiert oder zu schmal, fühlt sich der Raum unbewusst stressig und unpraktisch an. In Deutschland geben sogar technische Normen wie die DIN 18040-2 für barrierefreies Bauen logische Mindestmaße vor, die auch für nicht-barrierefreie Wohnungen als exzellenter Anhaltspunkt für Komfort dienen: 120 cm für Flure und 150×150 cm für Wendeflächen mit Rollstuhl zeigen, was echte Bewegungsfreiheit bedeutet.

Für den Alltag im Wohnzimmer lassen sich daraus konkrete, logische Regeln ableiten. Diese Maße sind keine vagen Empfehlungen, sondern das Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung in Ergonomie und Design. Ein Couchtisch, der mehr als 50 cm vom Sofa entfernt ist, ist nutzlos, da man sich vorbeugen muss. Ein Durchgang, der schmaler als 90 cm ist, wird zur Engstelle, die man unbewusst meidet. Die Einhaltung dieser Maße ist der erste, entscheidende Schritt zu einem funktionalen Raum.

Praktische Checkliste: Die fundamentalen Abstände für Ihr Wohnzimmer

  1. Bewegungsfreiheit prüfen: Messen Sie die Hauptdurchgangswege zwischen Ihren Möbeln. Beträgt die Breite überall mindestens 90 cm?
  2. Konversationsdistanz optimieren: Stellen Sie Ihre Hauptsitzgelegenheiten (Sofa, Sessel) in einem Abstand von 1,2 bis 3,6 Metern zueinander auf.
  3. Erreichbarkeit sicherstellen: Positionieren Sie den Couchtisch 30 bis 50 cm vom Sofa entfernt. So sind Getränke und Fernbedienung bequem erreichbar.
  4. Funktionsräume wahren: Lassen Sie vor Schränken und Kommoden mindestens 60 cm Freiraum, damit sich Türen und Schubladen vollständig öffnen lassen.
  5. Mediendistanz einhalten: Platzieren Sie den Fernseher je nach Bildschirmgröße mindestens 2-3 Meter vom Sofa entfernt, um die Augen zu schonen.

Der Anker im Raum: Wie Sie einen Blickfang definieren und Ihr gesamtes Zimmer darauf ausrichten

Viele Ratgeber sprechen von einem „Focal Point“. Aus psychologischer Sicht ist dieser Begriff unzureichend. Wir sprechen lieber von einem Verhaltens-Anker. Dies ist nicht nur das, worauf der Blick zuerst fällt, sondern das Element, das die primäre Funktion und das erwartete Verhalten in einer Zone definiert. Ein Esstisch ist ein Anker für gemeinsames Essen, ein Kamin für gemütliches Beisammensein, ein Fernseher für Medienkonsum. Die klare Definition dieses Ankers ist der strategische Ausgangspunkt für die gesamte Möbelanordnung.

Ohne einen klaren Anker wirkt ein Raum orientierungslos. Die Möbel scheinen zufällig verteilt, und es entsteht keine einladende Atmosphäre. Der Anker gibt dem Raum eine Bestimmung und den Möbeln eine logische Ausrichtung. Alle anderen großen Möbelstücke sollten sich auf diesen Anker beziehen – entweder direkt darauf ausgerichtet sein oder in einem bewussten Winkel dazu stehen, um eine visuelle Konversation zu beginnen.

Gerade in Deutschland bieten viele Wohnungen, insbesondere Altbauten, natürliche Ankerpunkte, die oft übersehen werden. Ein prachtvoller Kachelofen, eine Flügeltür mit Stuckverzierung oder ein großes Erkerfenster sind architektonische Geschenke, die als Ankerpunkt viel mehr Charakter haben als ein Fernseher. In solchen Fällen ist es ein Fehler, die Einrichtung zu ignorieren und eine künstliche TV-Wand als Zentrum zu etablieren. Wie Interior Designer betonen, braucht ein Sofa immer ein Gegengewicht im Raum – sei es der Anker selbst (wie der Kamin) oder eine ergänzende Sitzgruppe. Die Kunst besteht darin, den stärksten, charaktervollsten Anker zu identifizieren und ihn zur Hauptfigur Ihrer Rauminszenierung zu machen.

Ein historischer Kachelofen dient als zentraler Ankerpunkt in einem deutschen Altbau-Wohnzimmer, um den herum die Möbel gruppiert sind.

Wie das Bild eindrucksvoll zeigt, wird der historische Kachelofen zum unbestrittenen Zentrum des Raumes. Das Sofa und der Sessel sind nicht auf einen Fernseher, sondern auf diesen architektonischen Anker ausgerichtet und schaffen so eine kommunikative, gemütliche Atmosphäre. Der Raum erhält eine klare Bestimmung, die über reinen Medienkonsum hinausgeht und die Geschichte des Gebäudes ehrt.

Das perfekte Layout für Ihr Wohnzimmer: 3 professionelle Anordnungs-Blaupausen zum Nachmachen

Sobald der Anker und die Abstandsregeln definiert sind, geht es an das Gesamt-Layout. Hier unterscheidet die Umweltpsychologie zwischen zwei grundlegenden Anordnungsprinzipien: soziopetal und soziofugal. Soziopetale Anordnungen (z. B. Sitzmöbel im Kreis oder U-Form) fördern die soziale Interaktion; sie ziehen Menschen zusammen. Soziofugale Anordnungen (z. B. Stühle in einer Reihe wie im Wartezimmer) hemmen die Interaktion und lenken die Aufmerksamkeit nach außen. Für ein Wohnzimmer ist fast immer eine soziopetale Anordnung das Ziel.

Die Wahl des konkreten Layouts hängt jedoch stark vom Grundriss und der beabsichtigten Hauptnutzung des Raumes ab – Faktoren, die in Deutschland sehr unterschiedlich ausfallen können, vom schmalen Reihenhaus-Wohnzimmer bis zur offenen Neubauwohnung. Es gibt keine Einheitslösung, aber es gibt bewährte Blaupausen, die als Ausgangspunkt für die meisten typisch deutschen Wohnsituationen dienen können.

Die folgende Tabelle zeigt drei professionelle Layout-Typen. Anstatt blind Möbel zu rücken, können Sie diese als strategische Vorlagen nutzen. Analysieren Sie Ihren Raum und Ihre Bedürfnisse: Suchen Sie einen Ort für intensive Gespräche, eine flexible Lösung für Arbeit und Freizeit oder einen offenen Treffpunkt für die ganze Familie? Die Antwort bestimmt, welche Blaupause für Sie die richtige ist.

3 Wohnzimmer-Layouts für typisch deutsche Wohnungstypen
Layout-Typ Raumgröße Möbelanordnung Vorteile
Kommunikatives Zentrum 25-35m² (Reihenhaus) U-förmige Sitzgruppe, Couchtisch zentral Fördert Gespräche, nutzt lange Räume optimal
Flexible Homeoffice-Oase 20-25m² (1-2 Zimmer) Raumteiler-Regal, Schlafsofa, mobiler Schreibtisch Multifunktional, klare Zonentrennung
Offener Familien-Hub 40-50m² (Neubau) Kochinsel als Zentrum, fließende Übergänge Offenes Wohngefühl, flexible Nutzung

Ihr Schlafzimmer, eine Ruhe-Oase: Die 5 Möbel-Fehler, die Sie um Ihren Schlaf bringen

Das Schlafzimmer ist aus psychologischer Sicht ein Raum, dessen einzige Funktion die Erholung sein sollte. Jedes Möbelstück, das diese Funktion stört oder eine andere Aktivität (wie Arbeit oder Sport) suggeriert, untergräbt die Schlafqualität. Die Anordnung der Möbel im Schlafzimmer folgt daher nicht den Regeln der Geselligkeit, sondern denen der Ruhe und Funktionalität. Dennoch werden hier oft entscheidende Fehler gemacht, die zu Unruhe, schlechter Luftqualität oder sogar höheren Kosten führen.

Ein klassischer Fehler in deutschen Haushalten ist das Platzieren von großen Möbelstücken direkt vor Heizkörpern. Dies blockiert nicht nur die Wärmeabgabe und treibt die Heizkosten in die Höhe, sondern kann auch dem Möbel selbst schaden. Wie Experten betonen, ist dies eine ineffiziente und potenziell schädliche Praxis.

Möbel vor der Heizung fangen die Wärme ab, was zu hohen Heizkosten führt, aber nicht zu einer hohen Raumtemperatur. Die angestaute Wärme kann sogar das Innere des Möbelstücks beschädigen.

– Porta Möbelexperten, Porta Ratgeber – Möbel positionieren

Ein weiterer häufiger Fehler betrifft die Luftzirkulation. Möbel, die direkt an Außenwände geschoben werden, verhindern den Luftaustausch. In einem Land mit kühleren, feuchteren Jahreszeiten wie Deutschland ist dies eine direkte Einladung für Schimmelbildung. Ein kleiner Abstand von 5-10 cm ist eine simple, aber entscheidende Maßnahme für ein gesundes Raumklima. Auch die Position des Bettes spielt eine große Rolle. Ein Bett direkt unter dem Fenster kann im Winter zu unangenehmer Zugluft führen, während ein zu eng an die Wand gerücktes Bett den Ein- und Ausstieg erschwert und ein Gefühl der Enge erzeugt.

Der Party-Modus: Wie Sie Ihre Möbel für einen Abend neu arrangieren und zum perfekten Gastgeber werden

Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass eine Möbelanordnung statisch sein muss. Ein intelligent eingerichteter Raum ist jedoch wandelbar und passt sich unterschiedlichen sozialen Situationen an. Ein Wohnzimmer, das für den gemütlichen Fernsehabend zu zweit perfekt ist, kann für eine Party mit 20 Gästen völlig ungeeignet sein. Der Schlüssel zum perfekten Gastgeber liegt in der Fähigkeit, den Raum temporär in den „Party-Modus“ zu versetzen.

Das Ziel dabei ist, von einer oft intimen, auf einen Anker ausgerichteten Anordnung zu einer extrem soziofugalen und flussorientierten Umgebung zu wechseln. Bei einer Stehparty oder einem Buffet geht es nicht um tiefe Gespräche in einer festen Sitzgruppe, sondern um freie Bewegung, zufällige Begegnungen und leichten Zugang zu Essen und Getränken. Schwere Möbel wie Sofas werden an die Wände gerückt, um eine maximale, zentrale Bewegungsfläche zu schaffen. Der Couchtisch wird entfernt oder zur zusätzlichen Sitzgelegenheit umfunktioniert. Der Esstisch kann zur zentralen Buffetstation werden, während kleinere Beistelltische als dezentrale Getränkestationen dienen, um Menschenansammlungen zu entzerren.

Ein für einen Raclette-Abend umgestelltes Wohnzimmer in Deutschland, das optimierte Laufwege und mehrere Gesprächszonen zeigt.

Dieses Vorgehen schafft verschiedene Zonen: eine offene Fläche für Bewegung und Stehgespräche, kleinere Nischen mit Hockern für kurze Pausen und eine klare Logistik für die Verpflegung. Ein klassischer deutscher Raclette- oder Fondue-Abend, wie im Bild gezeigt, erfordert eine spezielle Anordnung, bei der alle Gäste um einen zentralen Tisch mit klaren Wegen zur Küche und zu den Getränken sitzen können. Die Fähigkeit, seine Möbel für solche Anlässe strategisch neu zu choreografieren, unterscheidet einen guten von einem exzellenten Gastgeber.

Der Wand-Fehler: 5 simple Möbel-Arrangements, die jeden Raum sofort größer und funktionaler wirken lassen

Der häufigste Einrichtungsfehler ist psychologisch tief verwurzelt: Wir haben Angst, den Raum „zuzustellen“, und schieben daher intuitiv alle Möbel an die Wände. Das Ergebnis ist oft das Gegenteil des Erwünschten: ein lebloser, ungenutzter „Tanzsaal“ in der Mitte und eine langweilige, unpraktische Peripherie. Die sogenannte „Insel-Strategie“, bei der Möbel bewusst in den Raum gerückt werden, um Funktionsgruppen zu bilden, ist weitaus effektiver. Verblüffenderweise bestätigen Einrichtungsexperten, dass 20m² Räume durch diese Strategie bis zu 30% größer wirken können, da das Auge definierte Zonen und Tiefe wahrnimmt, anstatt auf eine leere Fläche zu blicken.

Eine solche Insel kann eine Sitzgruppe sein, bei der das Sofa mit dem Rücken zum Raum steht und so eine psychologische Grenze zum Essbereich zieht. Ein Teppich unter dieser Gruppe definiert die Insel visuell und verankert sie. Dies bricht die Monotonie langer, schmaler Räume und schafft gemütlichere, menschlichere Proportionen. Anstatt einer massiven „Schrankwand“, die in vielen deutschen Wohnzimmern noch immer präsent ist und eine ganze Wand erdrückt, wirken offene Regale als luftige Raumteiler oder eine Kombination aus niedrigeren Sideboards und einzelnen hohen Elementen wesentlich dynamischer.

Es geht darum, Spannung und Blickachsen zu schaffen. Ein Sessel, der diagonal in eine Ecke gestellt wird, ist interessanter und einladender als einer, der flach an der Wand klebt. Er durchbricht die starre Geometrie des Raumes und schafft eine neue Perspektive. Die folgenden Tricks sind einfache, aber wirkungsvolle Methoden, um dem „Wand-Fehler“ zu entkommen und Ihrem Raum sofort mehr Charakter und Funktionalität zu verleihen.

Ihre Wohnung hat mehr Potenzial, als Sie denken. Oft sind es kleine Veränderungen in der Anordnung, die eine große Wirkung auf die Raumwahrnehmung und Funktionalität haben. Nutzen Sie die folgende Liste, um die typische „Schrankwand-Monotonie“ zu durchbrechen und Ihrem Raum eine neue Dimension zu geben.

Die 7 Todsünden im deutschen Wohnzimmer: Diese Einrichtungsfehler machen fast alle

Über die Jahre haben sich in vielen deutschen Wohnzimmern bestimmte Einrichtungsgewohnheiten etabliert, die aus raumpsychologischer Sicht suboptimal sind. Diese „Todsünden“ führen oft zu Räumen, die weder besonders gemütlich noch besonders funktional sind. Sie zu erkennen, ist der erste Schritt zur Besserung.

Eine der häufigsten Sünden ist die unzureichende und einseitige Beleuchtung. Oft findet man nur eine einzige, zentrale Deckenleuchte, die den Raum zwar hell macht, aber eine kalte, flache Atmosphäre ohne jegliche Schattenspiele erzeugt. Ein gemütlicher Raum lebt von mehreren Lichtebenen: eine Grundbeleuchtung, Arbeitslicht zum Lesen und Akzentlicht, das bestimmte Objekte oder Bereiche hervorhebt. Ein Wohnzimmer verträgt problemlos drei bis fünf verschiedene Lichtquellen (Stehlampe, Tischlampe, Leselicht), um eine dynamische und einladende Stimmung zu schaffen.

Eine weitere Sünde ist die Dominanz der überdimensionierten „Wohnlandschaft“. Diese riesigen U- oder L-förmigen Sofas werden oft so platziert, dass sie den gesamten Raum beherrschen, alle Laufwege blockieren und jede Flexibilität zunichtemachen. Sie schaffen zwar viele Sitzplätze, sind aber oft soziofugal ausgerichtet und machen intime Gespräche schwierig. Eine Kombination aus einem kleineren Sofa und zwei flexiblen Sesseln ist oft die kommunikativere und anpassungsfähigere Lösung.

Weitere typische Fehler sind: das Ignorieren von vertikalem Raum (leere Wände bis zur Decke), die Wahl eines zu kleinen Teppichs, der die Möbel nicht zu einer Einheit verbindet, und ein Set aus passenden Möbeln, das steril und unpersönlich wirkt. All diese Gewohnheiten führen zu einem Mangel an visueller Spannung und persönlichem Charakter. Ein Raum wird erst dann lebendig, wenn er eine Geschichte erzählt und nicht wie eine Seite aus einem Möbelkatalog aussieht.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ihre Möbelanordnung ist kein Zufall, sondern ein Skript, das das Verhalten von Ihnen und Ihren Gästen unbewusst lenkt.
  • Definieren Sie Zonen durch „Inseln“ statt durch Wände. Ein Teppich und eine geschickt platzierte Sitzgruppe können einen Raum psychologisch teilen und optisch vergrößern.
  • Jede Entscheidung, von der Distanz zwischen zwei Sesseln bis zur Höhe eines Regals, beeinflusst, ob ein Raum als einladend, funktional oder stressig empfunden wird.

Operation Raumeffizienz: Wie Sie das verborgene Potenzial Ihrer Wohnung freilegen und die Funktionalität maximieren

Der letzte und vielleicht wichtigste Schritt ist die ganzheitliche Betrachtung Ihrer Wohnung als ein System von verbundenen Zonen. Effizienz bedeutet nicht, alles vollzustellen, sondern jeden Quadratmeter seiner Bestimmung zuzuführen – auch die, die wir normalerweise als „toten Raum“ abschreiben. Lange, schmale Flure, wie sie in vielen Berliner Altbauten vorkommen, sind ein Paradebeispiel. Statt sie nur als Durchgang zu sehen, können sie durch schmale, wandmontierte Regale und eine flache Sitzbank zu einer Mini-Bibliothek oder einer Garderobenzone werden, ohne die notwendige Bewegungsbreite zu opfern.

Das stärkste Werkzeug zur Effizienzsteigerung in kleinen Wohnungen ist die psychologische Raumzonierung. Selbst in einem Einzimmerapartment können klar definierte Bereiche für Schlafen, Arbeiten und Wohnen geschaffen werden, ohne eine einzige Wand zu ziehen. Dies gelingt durch den gezielten Einsatz von nicht-physischen Barrieren. Unterschiedliche Teppiche, gezielte Lichtfarben und die Gruppierung von Möbeln senden dem Gehirn klare Signale über die Funktion einer Zone. Das Ergebnis ist ein Gefühl von Struktur und Ordnung, das die gefühlte Größe des Raumes enorm steigert.

Ein beeindruckendes Beispiel für diese Strategie liefert eine Studentin aus München, die ihre kleine Wohnung meisterhaft zoniert hat:

In meiner 25m² Einzimmerwohnung habe ich durch verschiedene Teppiche und Lichtfarben drei klar getrennte Bereiche geschaffen: Schlafen (warmes, gedimmtes Licht), Arbeiten (helles, neutrales Licht) und Wohnen (gemütliche Stehlampe). Das Gehirn nimmt diese Zonen wirklich als getrennte Räume wahr, obwohl keine Wände existieren.

– Erfahrung einer Münchner Studentin, mariahusch.com

Diese Erfahrung zeigt eindrucksvoll: Raumwahrnehmung ist eine Kopfsache. Indem Sie lernen, die subtilen Signale zu nutzen, die unser Gehirn zur Interpretation von Raum verwendet, können Sie das verborgene Potenzial Ihrer Wohnung freilegen. Sie maximieren nicht nur die Funktionalität, sondern schaffen eine Umgebung, die Ihre täglichen Abläufe logisch und intuitiv unterstützt.

Beginnen Sie noch heute damit, Ihre Wohnung nicht mehr als Behälter für Möbel, sondern als ein System zur Steuerung von Verhalten und Wohlbefinden zu betrachten. Analysieren Sie einen Raum, wenden Sie ein Prinzip aus diesem Leitfaden an und beobachten Sie die Veränderung – nicht nur in der Optik, sondern in Ihrem täglichen Erleben.

Häufig gestellte Fragen zur Möbelanordnung

Wie weit sollte das Bett von der Wand entfernt stehen?

Mindestens 60 cm auf der Ausstiegsseite für bequemen Zugang. Bei Doppelbetten ist dieser Abstand idealerweise auf beiden Seiten einzuhalten, um ein Gefühl von Symmetrie und Bewegungsfreiheit für beide Personen zu schaffen.

Ist es schädlich, das Bett direkt unter dem Fenster zu platzieren?

In Deutschland kann dies, besonders in älteren Gebäuden, zu unangenehmer Zugluft im Winter und erhöhter Feuchtigkeit führen. Ein Abstand von mindestens 30 cm von der Fensterwand wird empfohlen, um die Luftzirkulation zu gewährleisten und direkten Kälteeinfluss zu minimieren.

Wie verhindere ich Schimmelbildung hinter Möbeln?

Halten Sie einen Abstand von mindestens 5-10 cm zwischen großen Möbelstücken (insbesondere Schränken) und Außenwänden. Dieser simple Trick sorgt für eine ausreichende Luftzirkulation und ist eine der effektivsten Maßnahmen zur Vorbeugung von Schimmel in Wohnräumen.

Geschrieben von Dr. Anja Wagner, Dr. Anja Wagner ist eine promovierte Psychologin und Innenarchitektin mit 15 Jahren Erfahrung in der Gestaltung von Wohnräumen, die Wohlbefinden und persönliche Identität fördern. Ihre Expertise liegt an der Schnittstelle von Raumwahrnehmung, Farbpsychologie und funktionaler Organisation.