
Der größte Irrtum beim Netzwerken in Deutschland ist der Glaube, man müsse extrovertiert sein und Smalltalk beherrschen. Das Gegenteil ist der Fall: Strategische Tiefe schlägt soziale Breite.
- Ein starkes Netzwerk basiert auf dem Prinzip des Gebens, nicht des Nehmens.
- Authentische Beziehungen entstehen durch geteiltes Wissen und echten Mehrwert, nicht durch ausgetauschte Visitenkarten.
Empfehlung: Fokussieren Sie sich darauf, zur wertvollsten Ressource in Ihrem Fachgebiet zu werden, anstatt wahllos Kontakte zu sammeln.
Kennen Sie dieses Gefühl? Sie stehen auf einer Veranstaltung, umgeben von Menschen, das Glas in Ihrer Hand fühlt sich seltsam an und der Lärmpegel steigt. Die unausgesprochene Erwartung, „netzwerken“ zu müssen, lastet schwer auf Ihnen. Für viele Fach- und Führungskräfte in Deutschland, insbesondere für introvertierte Naturen, ist dieses Szenario ein Graus. Man fühlt sich gezwungen, oberflächliche Gespräche zu führen und Visitenkarten zu sammeln, die später nur in einer Schublade verstauben. Der Gedanke, sich selbst wie ein Produkt anpreisen zu müssen, widerspricht dem eigenen Anspruch an Authentizität und Tiefe.
Die gängigen Ratschläge – „bereiten Sie Ihren Elevator Pitch vor“, „sprechen Sie so viele Leute wie möglich an“ – fühlen sich nicht nur falsch an, sie sind in der deutschen Geschäftskultur oft sogar kontraproduktiv. Sie zielen auf Quantität statt Qualität und ignorieren den wichtigsten Faktor für nachhaltigen beruflichen Erfolg: Vertrauen. Ein starkes Netzwerk entsteht nicht durch flüchtige Begegnungen, sondern durch den systematischen Aufbau von Beziehungen, die auf gegenseitigem Respekt und echtem Mehrwert basieren. Es geht nicht darum, was Sie von anderen bekommen können, sondern darum, was Sie geben können.
Aber was, wenn die wahre Kunst des Netzwerkens gar nicht im Smalltalk liegt, sondern in einer strategischen Disziplin, die jeder erlernen kann? Was, wenn Ihr tiefes Fachwissen und Ihre aufrichtige Art nicht Ihre Schwäche, sondern Ihre größte Stärke sind? Dieser Artikel bricht mit den Mythen des oberflächlichen Networkings. Er zeigt Ihnen, wie Sie ein Wertschöpfungs-Netzwerk aufbauen, das auf strategischer Großzügigkeit beruht und Ihnen Türen öffnet, die durch reinen Smalltalk verschlossen bleiben. Wir werden ein System erkunden, das Ihre introvertierte Natur als Vorteil nutzt und Ihnen ermöglicht, authentische und dauerhafte berufliche Beziehungen zu knüpfen, die Ihre Karriere wirklich voranbringen.
Dieser Leitfaden ist Ihr strategischer Kompass für den Aufbau eines echten, werthaltigen Netzwerks in Deutschland. Wir werden die fundamentalen Prinzipien, die richtigen Werkzeuge und die spezifischen kulturellen Spielregeln beleuchten, die Ihnen helfen, Ihre Karriereziele durch authentische Beziehungen zu erreichen.
Inhaltsverzeichnis: Der strategische Aufbau Ihres beruflichen Netzwerks in Deutschland
- Die goldene Regel des Netzwerkens: Warum Geben der schnellste Weg zum Erfolg ist
- LinkedIn & XING richtig nutzen: Eine Strategie für mehr als nur ein digitales Adressbuch
- Vom „Du“-Angebot bis zur aufdringlichen E-Mail: Die 7 größten Netzwerk-Fauxpas in Deutschland
- Der Kaffee, der Ihre Karriere verändern kann: Die Kunst des informellen Gesprächs
- Ihr Netzwerk-Garten: Wie Sie Ihre Kontakte systematisch pflegen und bei Bedarf reaktivieren
- Die Kunst des Smalltalks meistern: Wie man mühelos interessante Gespräche beginnt
- Mehr als nur Gehalt: Wie Sie mit einer starken Vision die besten Talente für Ihr Unternehmen begeistern
- Die Superkraft des lebenslangen Lernens: Wie Sie neugierig bleiben und sich ständig weiterentwickeln
Die goldene Regel des Netzwerkens: Warum Geben der schnellste Weg zum Erfolg ist
Der fundamentalste Paradigmenwechsel für erfolgreiches Netzwerken in Deutschland liegt in einem einzigen Wort: Geben. Vergessen Sie die Frage „Was kann diese Person für mich tun?“. Die strategisch weitaus klügere Frage lautet: „Wie kann ich dieser Person von Nutzen sein?“. Dieser Ansatz, den man als strategische Großzügigkeit bezeichnen kann, ist kein Altruismus, sondern die intelligenteste Form des langfristigen Karrieremanagements. Indem Sie proaktiv Ihr Wissen teilen, wertvolle Einführungen machen oder einfach nur ein guter Zuhörer sind, bauen Sie das wichtigste Kapital in jeder beruflichen Beziehung auf: Vertrauen und Reputation.
Menschen erinnern sich an diejenigen, die ihnen geholfen haben – ohne eine sofortige Gegenleistung zu erwarten. Dieses Prinzip verwandelt Ihr Netzwerk von einer reinen Adressliste in ein dynamisches Ökosystem des gegenseitigen Austauschs. Um dies systematisch anzugehen, hat sich das Drei-Kreise-Modell bewährt. Es hilft Ihnen, Ihre Kontakte zu segmentieren und Ihre Energie gezielt einzusetzen. Der innere Kreis besteht aus engen Vertrauten und Mentoren, mit denen Sie monatlich interagieren. Der strategische Kreis umfasst wichtige Kollegen und Branchenexperten, die Sie quartalsweise kontaktieren. Der erweiterte Kreis sind lose Bekannte, mit denen ein jährlicher Kontaktpunkt ausreicht. Diese Struktur hilft, die Pflege Ihrer Beziehungen zu planen und sicherzustellen, dass Sie Ihre wertvollsten Kontakte nicht aus den Augen verlieren.
Ein praktisches Werkzeug zur Umsetzung dieser Philosophie ist das Führen eines „Wert-Tagebuchs“. Dokumentieren Sie nicht, wer Ihnen einen Gefallen schuldet, sondern wem Sie auf welche Weise geholfen haben. Dies dient nicht der Buchhaltung, sondern schärft Ihren Blick für die Bedürfnisse anderer und hilft Ihnen, Muster zu erkennen. Sie werden feststellen, dass Zuhören, Verstehen und echtes Interesse zeigen weitaus wirkungsvoller sind als ständiges „über sich reden“. So positionieren Sie sich als wertvoller Knotenpunkt und Experte, an den man sich gerne wendet – und den man gerne weiterempfiehlt, wenn sich die richtige Gelegenheit ergibt.
LinkedIn & XING richtig nutzen: Eine Strategie für mehr als nur ein digitales Adressbuch
Im digitalen Zeitalter sind Plattformen wie LinkedIn und XING unverzichtbare Werkzeuge für den Netzwerkaufbau. Doch die meisten Nutzer kratzen nur an der Oberfläche und verwenden sie als passives digitales Adressbuch. Der strategische Ansatz besteht darin, diese Plattformen aktiv zu nutzen, um Ihre Expertise sichtbar zu machen und qualitativ hochwertige Verbindungen zu knüpfen. Die Bedeutung dieser Kanäle ist nicht zu unterschätzen: Statistiken belegen, dass bis zu 40 Prozent aller Jobs durch persönliche Beziehungen besetzt werden, die oft digital angebahnt oder gepflegt werden.
In Deutschland ist eine duale Strategie entscheidend. XING hat seine Stärken im DACH-Raum, besonders im Mittelstand und bei der Suche nach lokalen Events und Kontakten. LinkedIn hingegen ist die globale Plattform für internationale Konzerne und den Aufbau einer persönlichen Marke als Vordenker („Thought Leader“). Ein leeres Profil ist wie eine leere Visitenkarte – nutzlos. Ein vollständig ausgefülltes, aussagekräftiges Profil mit einem professionellen Foto ist die absolute Basis. Doch die wahre Magie passiert in der Interaktion: Teilen Sie relevante Fachartikel, kommentieren Sie Beiträge anderer Experten mit fundierten Einsichten und gratulieren Sie Kontakten zu neuen Positionen. Seien Sie eine wertvolle Informationsquelle, kein stiller Beobachter.

Die Wahl der richtigen Plattform hängt von Ihren Karrierezielen ab. Suchen Sie eine Position im deutschen Mittelstand, kann eine Premium-Mitgliedschaft bei XING eine lohnende Investition sein. Streben Sie eine internationale Karriere an oder möchten Sie Ihre Expertise global positionieren, ist LinkedIn unverzichtbar. Die folgende Übersicht fasst die strategische Ausrichtung zusammen:
Die folgende Tabelle gibt einen Überblick, wie Sie eine duale Strategie für den deutschen Markt entwickeln können, basierend auf den Erkenntnissen einer aktuellen Analyse von Karriereplattformen.
| Plattform | Stärken | Zielgruppe | Strategie |
|---|---|---|---|
| Hyperlokale Vernetzung, bei Recruitern im DACH-Raum hoch im Kurs | Deutscher Mittelstand, regionale Events | Premium-Tarif für intensive Jobsuche (~10€/Monat) | |
| In rund 200 Ländern verfügbar, über 660 Millionen User, Microsoft-Investment | Internationale Konzerne, Thought Leadership | Social Selling, E-Reputation aufbauen |
Vom „Du“-Angebot bis zur aufdringlichen E-Mail: Die 7 größten Netzwerk-Fauxpas in Deutschland
In der deutschen Geschäftskultur, die von einer gewissen Förmlichkeit und einem hohen Anspruch an Professionalität geprägt ist, kann man mit unbedachten Handlungen schnell ins Fettnäpfchen treten. Ein authentisches Netzwerk baut auf Respekt und Vertrauen auf, und beides kann durch einen einzigen Fauxpas nachhaltig beschädigt werden. Einer der häufigsten Fehler ist die falsche Interpretation des „Du“-Angebots. Während in manchen Branchen und Start-ups schnell geduzt wird, ist in konservativeren Sektoren das „Sie“ die Norm. Warten Sie immer, bis die ranghöhere oder ältere Person Ihnen das „Du“ anbietet.
Ein weiterer gravierender Fehler ist die sofortige Forderung nach einem Gefallen. Netzwerken ist kein Transaktionsgeschäft. Jemandem, den Sie gerade erst kennengelernt haben, eine E-Mail mit der Bitte zu schicken, Ihren Lebenslauf weiterzuleiten, ist nicht nur unhöflich, sondern auch kurzsichtig. Sie müssen zuerst Wert geben, bevor Sie daran denken können, Wert zu empfangen. Ebenso schädlich für Ihr Reputations-Kapital ist das Aussprechen einer wertlosen Empfehlung. Wenn Sie jemanden oder dessen Arbeit nicht gut genug kennen, ist eine diplomatische Ablehnung die einzig professionelle Antwort. Sagen Sie ehrlich: „Ich kenne Ihre Arbeit leider nicht gut genug, um eine fundierte Empfehlung abzugeben, was Ihnen gegenüber nicht fair wäre.“ Dies schützt Ihre eigene Glaubwürdigkeit.
Weitere No-Gos sind blindes Netzwerken ohne Vorbereitung – identifizieren Sie vorab über Teilnehmerlisten zwei bis drei Schlüsselpersonen –, unpünktliches Erscheinen zu verabredeten Treffen und die Verwendung von übertriebenem „Denglisch“, besonders in traditionsreichen Unternehmen. Jede Interaktion ist eine Gelegenheit, Professionalität und Respekt zu demonstrieren. Vermeiden Sie diese Fehler, um sicherzustellen, dass Sie als ernsthafter und vertrauenswürdiger Kontakt wahrgenommen werden, mit dem man gerne langfristig in Verbindung bleibt.
Der Kaffee, der Ihre Karriere verändern kann: Die Kunst des informellen Gesprächs
Die wertvollsten Verbindungen entstehen selten im Trubel von Großveranstaltungen, sondern im ruhigen, fokussierten Rahmen eines Vier-Augen-Gesprächs. Das informelle Kaffeegespräch ist das mächtigste Werkzeug im Arsenal des strategischen Netzwerkers. Es verlagert den Fokus von der breiten Masse auf die tiefe, persönliche Verbindung. Der Schlüssel zum Erfolg liegt hier in der sorgfältigen Vorbereitung und der richtigen Haltung. Es geht nicht darum, sich selbst zu verkaufen, sondern darum, echtes Interesse an der anderen Person, ihrer Karriere und ihrer Expertise zu zeigen.
Die Einladung selbst sollte bereits wertschätzend formuliert sein. Stellen Sie die Expertise Ihres Gegenübers in den Mittelpunkt. Anstatt zu sagen „Ich würde gerne mit Ihnen Kaffee trinken“, formulieren Sie es spezifischer: „Ihre Arbeit im Bereich [Thema X] finde ich äußerst spannend. Ich würde mich sehr freuen, wenn Sie bei einer Tasse Kaffee 15-20 Minuten Zeit hätten, um mir Ihre Perspektive auf [spezifische Frage] zu erläutern.“ Diese Formulierung ist respektvoll, fokussiert und zeigt, dass Sie Ihre Hausaufgaben gemacht haben. Wählen Sie einen neutralen Ort, der für beide Seiten gut erreichbar ist, und seien Sie absolut pünktlich – sowohl beim Beginn als auch beim vereinbarten Ende des Gesprächs. Respekt für die Zeit des anderen ist in Deutschland ein hohes Gut.

Das Gespräch selbst sollte von Neugier und dem Wunsch zu lernen geprägt sein. Bereiten Sie ein oder zwei tiefgründige Fragen vor, die über oberflächlichen Smalltalk hinausgehen. Diese Fragen dienen als Tiefen-Anker, um schnell zu einem substanziellen Austausch zu kommen. Ihr Ziel ist es, 80 % der Zeit zuzuhören und 20 % der Zeit gezielte Fragen zu stellen. Am Ende des Gesprächs bedanken Sie sich für die Zeit und die wertvollen Einblicke und senden noch am selben Tag eine kurze Dankes-E-Mail. So bleibt der positive Eindruck haften und Sie legen den Grundstein für eine nachhaltige Beziehung.
Ihr Plan für das perfekte Kaffee-Gespräch
- Profil analysieren: Studieren Sie das LinkedIn-/XING-Profil der Person und identifizieren Sie Gemeinsamkeiten oder spannende Projekte. Bereiten Sie 1-2 tiefgründige Fragen dazu vor.
- Einladung formulieren: Stellen Sie die Expertise des Gegenübers in den Mittelpunkt Ihrer Anfrage und schlagen Sie einen klaren, zeitlich begrenzten Rahmen (z. B. 20 Minuten) vor.
- Ort und Zeit: Wählen Sie einen neutralen, gut erreichbaren Ort. Seien Sie überpünktlich und planen Sie, das Gespräch respektvoll zum vereinbarten Zeitpunkt zu beenden.
- Gesprächsführung: Konzentrieren Sie sich auf aktives Zuhören. Stellen Sie offene Fragen (W-Fragen) und zeigen Sie durch Ihre Körpersprache echtes Interesse.
- Nachbereitung: Senden Sie innerhalb von 24 Stunden eine kurze, persönliche Dankesnachricht per E-Mail oder über die Business-Plattform und nehmen Sie Bezug auf ein interessantes Detail aus dem Gespräch.
Ihr Netzwerk-Garten: Wie Sie Ihre Kontakte systematisch pflegen und bei Bedarf reaktivieren
Ein Netzwerk aufzubauen ist nur die halbe Miete. Ein Netzwerk, das nicht gepflegt wird, verkümmert wie ein vernachlässigter Garten. Die wahre Meisterschaft im Netzwerken zeigt sich in der Fähigkeit, Beziehungen über die Zeit lebendig zu halten. Dies erfordert ein System, eine Art „Kontakt-Gärtnerei“, bei der Sie regelmäßig und proaktiv mit Ihren Kontakten interagieren. Die Investition lohnt sich, denn der Großteil der Karrierechancen liegt im sogenannten verdeckten Arbeitsmarkt. Laut Experten werden bis zu 85 % der Arbeitsplätze durch Netzwerke vergeben – also nicht durch öffentliche Ausschreibungen, sondern durch Empfehlungen und persönliche Kontakte.
Die Kontaktpflege muss nicht zeitaufwendig sein. Es geht um kleine, aber regelmäßige Gesten des „An-dich-Denkens“. Senden Sie einem Kontakt einen Artikel, der für ihn relevant sein könnte. Gratulieren Sie auf LinkedIn zum Firmenjubiläum. Ein kurzer, persönlicher Gruß genügt oft, um im Gedächtnis zu bleiben. Der Schlüssel ist, dies zu tun, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Es ist eine Einzahlung auf Ihr Beziehungskonto. Besonders wichtig ist der direkte Anschluss nach einem ersten Kennenlernen: Kontaktieren Sie die Person innerhalb von 48 Stunden, bedanken Sie sich für das Gespräch und senden Sie eine Kontaktanfrage auf XING oder LinkedIn – immer mit einer persönlichen Nachricht, die auf Ihr Gespräch Bezug nimmt.
Ein besonders interessantes Konzept ist die Reaktivierung von „Dormant Ties“ – also ruhenden Kontakten. Das sind Personen, mit denen Sie früher eine gute Beziehung hatten, der Kontakt aber eingeschlafen ist. Studien zeigen, dass diese reaktivierten Kontakte oft überraschend wertvolle und neuartige Informationen liefern, da sie in der Zwischenzeit in anderen Kreisen unterwegs waren. Scheuen Sie sich nicht, einen alten Kontakt mit einer freundlichen Nachricht anzuschreiben, zu fragen, wie es ihm geht, und kurz zu berichten, was Sie gerade tun. Die Wahrscheinlichkeit einer positiven Reaktion ist hoch, da bereits eine Vertrauensbasis existiert. Ein gepflegter Netzwerk-Garten ist eine der sichersten Investitionen in Ihre berufliche Zukunft.
Die Kunst des Smalltalks meistern: Wie man mühelos interessante Gespräche beginnt
Für viele Introvertierte ist „Smalltalk“ ein Reizwort, das für oberflächliches Geplänkel steht. Doch die Kunst, ein Gespräch zu beginnen, muss nicht auf banalen Themen wie dem Wetter basieren. Der strategische Ansatz ersetzt Smalltalk durch „Smart Talk“. Es geht darum, das Gespräch von Anfang an auf eine tiefere, interessantere Ebene zu heben, indem man aufmerksame Beobachtungen und offene Fragen nutzt. Das Ziel ist nicht, zu unterhalten, sondern eine echte Verbindung herzustellen. Wie ein Experte treffend formuliert: „Gutes Netzwerken findet völlig ohne Show und Selbstdarstellung statt. Alles, was sich falsch anfühlt, ist es meistens auch.“
Ein mächtiges Werkzeug dafür sind beobachtungsbasierte Fragen. Anstatt eine Standardfrage zu stellen, nehmen Sie Ihre Umgebung als Ankerpunkt. Sagen Sie zum Beispiel: „Mir ist die besondere Architektur dieses Gebäudes aufgefallen, wissen Sie zufällig mehr darüber?“ oder „Das Catering ist wirklich exzellent, haben Sie die andere Sorte auch schon probiert?“. Solche Fragen sind offen, nicht aufdringlich und schaffen eine unmittelbare, geteilte Erfahrung. Sie signalisieren, dass Sie präsent und aufmerksam sind.
Eine weitere effektive Technik sind branchenbezogene, offene Fragen. Fragen Sie nicht „Was machen Sie beruflich?“, sondern gehen Sie einen Schritt weiter: „Was ist aus Ihrer Sicht die größte Herausforderung, vor der Ihre Branche aktuell steht?“ oder „Welche Entwicklung in Ihrem Fachgebiet finden Sie im Moment am spannendsten?“. Diese Art von Frage lädt Ihr Gegenüber ein, seine Expertise zu teilen, und hebt das Gespräch sofort auf ein professionelles, substanzielles Niveau. Nutzen Sie die ersten Minuten auf einer Veranstaltung, um die soziale Dynamik zu beobachten, bevor Sie aktiv werden. So können Sie gezielt Personen ansprechen, die entspannt und offen für ein Gespräch wirken. Es geht darum, Ihren eigenen, authentischen Stil zu entwickeln, um entspannt und natürlich ins Gespräch zu kommen.
Mehr als nur Gehalt: Wie Sie mit einer starken Vision die besten Talente für Ihr Unternehmen begeistern
Eine klare, überzeugende Vision ist nicht nur ein Führungsinstrument, sondern auch der stärkste Magnet im Networking – und das gilt nicht nur für die Anwerbung von Mitarbeitern. Ob Sie die besten Talente für Ihr Unternehmen, einen Mentor für Ihre Karriere oder strategische Partner für ein Projekt gewinnen wollen: Menschen folgen nicht einfach nur einer Person oder einem Gehaltsscheck, sie schließen sich einer Mission an, die sie inspiriert. Ihre berufliche Vision – Ihr „Warum“ – ist der entscheidende Filter, der die richtigen Menschen anzieht und die falschen fernhält.
Bevor Sie also auch nur eine einzige Netzwerkveranstaltung besuchen, müssen Sie sich darüber im Klaren sein, was Sie beruflich erreichen möchten. Wollen Sie die Karriereleiter erklimmen oder als führender Experte in einer Nische wahrgenommen werden? Möchten Sie mit Ihrem Unternehmen eine Branche revolutionieren? Formulieren Sie diese Mission in einem klaren Satz. Dieses Ziel gibt Ihnen nicht nur Sicherheit im Gespräch, sondern dient auch als Kompass. Es hilft Ihnen, Gespräche bewusst zu führen und sofort zu erkennen, welche Kontakte für Ihre Vision relevant sind und welche nicht. Es befähigt Sie, höflich, aber bestimmt „Nein“ zu Anfragen und Gelegenheiten zu sagen, die Sie von Ihrem Weg abbringen würden.

Wenn Sie Ihre Vision authentisch kommunizieren, passiert etwas Bemerkenswertes: Sie müssen nicht mehr jagen, Sie werden gefunden. Die richtigen Leute – ob potenzielle Mitarbeiter, Mentoren oder Partner – erkennen die Überschneidung mit ihren eigenen Zielen und Werten. Sie werden von Ihrer Klarheit und Ihrem Antrieb angezogen. Ein starkes Netzwerk entsteht dann nicht durch Zufall, sondern als logische Konsequenz Ihrer klar definierten Mission. Ihre Vision wird zur unsichtbaren Kraft, die ein Ökosystem von Gleichgesinnten um Sie herum aufbaut, die sich gegenseitig unterstützen und voranbringen.
Das Wichtigste in Kürze
- Netzwerken ist eine strategische Disziplin, kein soziales Talent. Authentizität und Mehrwert schlagen Smalltalk.
- Das Prinzip „Geben vor Nehmen“ ist die Grundlage für den Aufbau von Vertrauen und langfristigen Beziehungen.
- Eine duale Strategie für XING (lokal) und LinkedIn (global) ist in Deutschland entscheidend für die digitale Sichtbarkeit.
Die Superkraft des lebenslangen Lernens: Wie Sie neugierig bleiben und sich ständig weiterentwickeln
Ein starkes Netzwerk ist kein statisches Gebilde, sondern ein lebendiger Organismus, der von Neugier und kontinuierlichem Lernen lebt. Die wertvollsten Netzwerker sind nicht diejenigen, die am meisten reden, sondern diejenigen, die am meisten wissen und bereit sind, dieses Wissen zu teilen. Lebenslanges Lernen ist daher keine separate Aufgabe, sondern der Treibstoff, der Ihr Netzwerk relevant und dynamisch hält. Indem Sie neugierig bleiben und sich ständig weiterentwickeln, werden Sie selbst zu einer unschätzbaren Ressource für andere.
Sehen Sie jede Interaktion in Ihrem Netzwerk als eine Lerngelegenheit. Jedes Gespräch kann Ihnen neue Perspektiven eröffnen, Ihr Wissen vertiefen oder Sie auf neue Trends aufmerksam machen. Ein effektiver Weg, dies zu institutionalisieren, ist der Aufbau von „Lern-Netzwerken“ oder die Teilnahme an Mastermind-Gruppen. Dies sind kleine, kuratierte Gruppen von Fachexperten, die sich regelmäßig treffen, um voneinander zu lernen, Herausforderungen zu diskutieren und sich gegenseitig zur Verantwortung zu ziehen. Solche Formate bieten den idealen Rahmen für tiefgehenden, vertrauensvollen Austausch jenseits jeder Oberflächlichkeit.
Letztendlich ist der Aufbau eines starken Netzwerks untrennbar mit persönlichem und beruflichem Wachstum verbunden. Wie die Karriereexpertin Jutta Platen betont, ist Netzwerken auch mit vielen Arten des beruflichen Erfolgs verbunden, sei es durch Beförderungen, mehr Einfluss oder Gehaltserhöhungen. Diese Erfolge sind das Ergebnis eines Prozesses, in dem Sie durch ständiges Lernen Ihren Wert für Ihr Netzwerk kontinuierlich steigern. Ihre Neugier ist die Superkraft, die sicherstellt, dass Sie und Ihr Netzwerk auch in Zukunft relevant bleiben.
Beginnen Sie noch heute damit, Ihr Netzwerk nicht als eine Sammlung von Kontakten, sondern als Ihren persönlichen Karriere-Garten zu betrachten. Pflanzen Sie den ersten Samen, indem Sie einem Kontakt ohne Erwartung einen echten Mehrwert bieten. Ihre Karriere wird es Ihnen danken.